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Standards

Im Deutschen wird für den Begriff „Standard“ häufig auch der Begriff „Richtlinie“ verwendet. Heutzutage gibt es eine Vielzahl nationaler und internationaler Standards. Von der genormten EU-Banane, über den Gurken-Krümmungsgrad bis hin zum festgelegten Durchmesser von Äpfeln – zumindest innerhalb der EU gibt es kaum einen Bereich, der nicht detailliert geregelt ist. Manches davon erscheint übertrieben oder sogar überflüssig, viele Standards – vor allem im Verbraucherschutz – sind jedoch wichtig und sinnvoll.

Auch der Faire Handel kann nicht ohne Standards funktionieren. Sie sind allerdings nicht gesetzlich festgeschrieben, wie das beispielsweise im Bio-Bereich der Fall ist. Insgesamt beschreiben die Fair-Handels-Standards soziale, ökonomische und ökologische Kriterien für faire Produktion und Vermarktung.

Zwei Arten von Standards sind im Fairen Handel besonders wichtig: Dies sind die Standards von Fairtrade International und die Standards der WFTO (World Fair Trade Organization).

Was sind die Standards von Fairtrade International?

Fairtrade International ist der Dachverband aller Nationalen Fairtrade Organisationen (NFO) und der Produzenten-Netzwerke. Nationale Fairtrade Organisation wie TransFair in Deutschland vermarkten und vergeben das Fairtrade-Siegel.
Außerdem übernehmen sie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zum Fairen Handel in ihren Ländern.
Aufbauend auf der über 20-jährigen Erfahrung des Fairen Handels hat Fairtrade International Standards für die wichtigsten Produktgruppen entwickelt. In den Standards sind Kriterien formuliert, die erfüllt sein müssen, damit ein Produkt fair produziert und gehandelt wird. Die Standards von Fairtrade International spielen innerhalb des Fairen Handels eine wichtige Rolle, da erst durch die Einführung des Fairtrade-Siegels von Fairtrade International Anfang der 90er Jahre für viele fair gehandelte Produkte der Weg in die Supermärkte möglich wurde.

Es gibt 3 verschiedene Standardtypen bei Fairtrade International:

(1) Standards für Produkte (Product Standards)

Produktbezogene Standards bestimmen, welche besonderen Bedingungen bei bestimmten Produktgruppen eingehalten werden müssen. Bei jedem Produkt gibt es andere lokale Strukturen und Gegebenheiten. Kaffee ist nicht gleich Gold. Tee wird anders produziert als Reis. Die Standards versuchen, diese Unterschiede zu berücksichtigen und Entwicklungs- und Verbesserungskonzepte in den jeweils verschiedenen Situationen zu fördern. Es gibt zur Zeit 20 verschiedene Produktstandards; darunter Kaffee, Tee, Saft, Wein, Kakao und Honig (Stand 2014).

(2) Standards für Produzentenorganisationen – Kleinbauernorganisationen, Plantagen, Vertragsanbau (Generic producer standards – Small Producers Organizations, Hired Labour and Contract Production Standards)

Produzentenbezogene Standards bestimmen, unter welchen Bedingungen verschiedene Arten von Produzentenorganisationen Produkte unter „fairen“ Bedingungen herstellen und mit dem Siegel verkaufen können.

Aus politisch-historischen Gründen darf Kaffee z.B. nur von Kleinbauernorganisationen fair gehandelt werden, Tee aber von Kleinbauernorganisationen und Plantagen. Für Baumwolle aus Indien gibt es wiederum im klassischen Sinne des Wortes nur wenige Kleinbauerngenossenschaften und keine Plantagen. Stattdessen sind die Standards auf eine andere Zielgruppe gerichtet – einzelne Bauern, die ihre Produkte nach vertraglich vereinbarten Bedingungen produzieren und an ihre Vertragspartner verkaufen (Contract Production = Vertragsanbau). Vertragspartner sind in der Regel Privatpersonen oder auch andere unterstützende Vermittler, wie zum Beispiel Nichtregierungsorganisationen.

Die Standards für Produzentenorganisationen enthalten viele Anforderungen, die an die Produzent/innen gestellt werden. Hier werden allgemeingültige Kriterien festgelegt, die sozial und ökonomisch faire und außerdem umweltbewusste Produktions- und Handelsbedingungen aller zertifizierten Fairtrade-Produkte gewährleisten.

(3) Standards für Händler ( Trader Standards)

Die Trader Standards müssen von Händlern eingehalten werden, die ein fair gehandeltes Produkt ein- und weiterverkaufen. Diese Standards beziehen sich hauptsächlich auf den Warenfluss. Es geht um den lückenlosen Nachweis, dass sich alle Beteiligten auf dem Weg eines Produkts vom Produzenten bis hin zur Endverpackung an die Händler-Standards halten. Die sozialen Bedingungen der Arbeiter und Angestellten in den Handelsunternehmen werden in den Trader Standards dagegen nicht berücksichtigt.

Die Standards für Händler bestimmen u.a.:

  • Mindestpreise für die meisten gesiegelten Produkte
  • eine zusätzliche Fairtrade-Prämie, die überwiegend in soziale Gemeinschaftsprojekte investiert wird
  • das Recht der Produzent/innen auf eine Vorfinanzierung
  • die Wichtigkeit langfristiger Handelsbeziehungen

Was sind die WFTO-Standards?

Die WFTO ist die internationale Dachorganisation der Fair-Handels-Organisationen. Es ist das einzige globale Netzwerk, das sich aus Mitgliedern entlang der gesamten Fair-Handels-Wertschöpfungskette – also von der Produktion bis hin zum Verkauf – zusammensetzt. Die Mitglieder der WFTO sind Handelsfirmen, Produzentenorganisationen und Weltlladen-Dachverbände, die sich nur mit fair gehandelten Produkten beschäftigen.

Um die Transparenz und Glaubwürdigkeit der Fair-Handels-Organisationen zu erhöhen, hat die WFTO ein Monitoringsystem entwickelt, das auf den 10 Fair-Handels-Standards der WFTO beruht und deren Einhaltung überwacht. Seit 2013 heißt dieses Monitoringsystem WFTO-Garantiesystem.
Anders als bei den Standards von Fairtrade International geht es bei den WFTO-Standards um das Verhalten der ganzen Fair-Handels-Organisation und nicht in erster Linie um das einzelne Produkt, das hergestellt wird. Die Standards beziehen sich auf die Organisation in ihrer Gesamtheit.

Die WFTO-Standards umfassen folgende Themenbereiche:

  1. Eine Chance für wirtschaftlich benachteiligte Produzent/innen
  2. Transparenz und Verantwortlichkeit
  3. Handelspraktiken
  4. Zahlung eines fairen Preises
  5. Kinderarbeit und Zwangsarbeit ausgeschlossen
  6. Nicht-Diskriminierung, Gleichberechtigung und Vereinigungsfreiheit
  7. Bessere Arbeitsbedingungen
  8. Förderung der Fähigkeiten / Weiterbildung
  9. Förderung des Fairen Handels
  10. Umweltschutz

Weiterführende Links

Link zur Seite Fairtrade Deutschland
Schnelleinstieg Standards
Link zur Homepage von Fairtrade International
www.fairtrade.net
Link zur Seite Standards von Fairtrade International
www.fairtrade.net/standards.html
Link zur Homepage der WFTO
www.wfto.com
GEPA - THE FAIR TRADE COMPANY
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