. .

Fairer GEPA-Kaffee - im Ursprungsland geröstet

Mehr Wertschöpfung im Ursprung zu belassen ist ein wichtiges und ambitioniertes Ziel der GEPA. Rund 50 Produkte aus dem GEPA-Sortiment werden bereits komplett im Ursprung hergestellt.
Ein ganz besonderes Ursprungsprojekt hat die GEPA zusammen mit ihrem Handelspartner APROLMA in Honduras auf den Weg gebracht. APROLMA ist eine reine Frauenkooperative, was im Kaffeesektor schon eine Seltenheit ist. Aber die Frauen von APROLMA waren auch noch mutig und innovativ genug, um sich auf das Abenteuer des eigenen Röstens und Verpackens einzulassen. Von den 69 Mitgliedern wurden 12 Frauen für dieses einzigartige Röstprojekt ausgewählt. Bisher haben die Frauen hochwertigen Rohkaffee für den Export produziert. Rund 95 Prozent des Kaffees am Weltmarkt wird als Rohware gehandelt. Bei APROLMA hat sich das mit diesem Projekt geändert: Der gesamte Prozess der Kaffeeveredelung wird jetzt von den Frauen selbst durchgeführt. Zwei Kaffeebäuerinnen sind bereits zu Röstmeisterinnen ausgebildet worden. Andere haben jetzt ein Zusatzeinkommen durch das Verpacken und Etikettieren des Kaffees. Die Frauen sind sehr stolz, dass sie jetzt den gesamten Herstellungsprozess bis zum fertigen Endprodukt selbst in der Hand haben. Neben den wirtschaftlichen Vorteilen erkämpfen sich die Frauen mit Anbau und Weiterverarbeitung ihres hochwertigen Kaffees mehr Unabhängigkeit und Selbstbestimmung.
Neben APROLMA bezieht die GEPA auch von ihrem Partner FEDECOCAGUA in Guatemala Röstkaffee aus dem Ursprung.

Ernte - Die Kaffeekirschen werden gepflückt

Foto: GEPA/ A. Welsing

Was einfach aussieht, ist mühsame Handarbeit: Jede reife Frucht bzw. Kaffeekirsche muss einzeln vom Zweig abgepflückt werden. Die Kaffeebäuerinnen achten darauf, dass möglichst keine Stiele, Äste und Blätter im Korb landen. Da die Kirschen am gleichen Strauch unterschiedlich reifen, müssen die Kaffeebäuerinnen während der Erntezeit von November bis April mehrere Pflückrunden machen. Den Frauen von APROLMA ist der verantwortliche Umgang mit der Natur ein wichtiges Anliegen. Deshalb bauen sie ihren Kaffee mit natürlichen, bio-zertifizierten Methoden an.

Beginn der Nassaufbereitung

Foto: GEPA/ A. Welsing

Nach dem Pflücken muss es schnell gehen: Innerhalb von 24 Stunden müssen die Kaffeekirschen weiterverarbeitet werden, um Qualitätseinbußen zu verhindern. Die Aufbereitung des Kaffees nach der Ernte hat entscheidenden Einfluss auf den Geschmack. Die Kaffeekirschen werden zunächst gewogen und dann aus den Säcken in einen riesigen Trichter umgeschüttet.

Kaffeekirsche und Kaffeebohne - was ist was?

Foto: GEPA/ A. Welsing

In der Kaffeekirsche sitzen die Kaffeebohnen. Durch das sogenannte Entpulpen werden die Kaffeebohnen vom Fruchtfleisch, der Pulpe, sowie der Schale der Kirsche getrennt.

Entpulpen - Die Kaffeebohnen werden aus der Kaffeekirsche herausgelöst

Foto: GEPA/ A. Welsing

Beim Entpulpen werden auch schlechte und unreife Kirschen aussortiert. Die Kaffeebohnen sind nach dem Entpulpen noch glitschig: An der Bohne befindet sich jetzt nur noch eine Schleimschicht und eine Pergamenthülle. Das Fruchtfleisch wird übrigens kompostiert.

Fermentation und Trocknung der Kaffeebohnen

Foto: GEPA/ A. Welsing

Nach dem Entpulpen befinden sich immer noch Reste von Fruchtfleisch an den Kaffeebohnen. Um diese Reste zu entfernen, werden die Kaffeebohnen fermentiert. Dazu werden sie für 12 bis 16 Stunden in ein Wasserbad gegeben. Auf diese Weise wird der Fermentierungsprozess aktiviert und die in den Kaffeebohnen enthaltenen Gerbstoffe abgebaut. Die Fermentation ist für den Fair Trade-Kaffee besonders wichtig, da sich hierbei Aromastoffe bilden, die die Qualität und die Geschmackseigenschaften des Kaffees beeinflussen. Nach der Fermentation werden die Bohnen nochmals gewaschen, damit eventuelle noch vorhandene Fruchtfleischreste abgespült werden können. Anschließend werden die Bohnen mehrere Tage lang an der Sonne getrocknet.

Pergaminokaffee

Foto: GEPA/ A. Welsing

Richtig getrocknet sind die Bohnen erst, wenn sie nicht mehr aneinanderkleben und sich sozusagen in der Schale „bewegen“ können. Nach erfolgreicher Trocknung spricht man von Pergaminokaffee. Beim Pergaminokaffee ist die Kaffeebohne noch umhüllt von einem Silberhäutchen und einer harten gelben Schale.

Reinigung, Auslese und Schälen

Foto: GEPA/ A. Welsing

Der letzte Verarbeitungsschritt, das Schälen, erfolgt maschinell in der Aufbereitungsanlage. Zunächst wird der Pergaminokaffee gereinigt und Fremdkörper wie kleine Steinchen oder Ästchen werden hierbei entfernt. Beim anschließenden Schälen wird die Pergamino-Schale maschinell von der Kaffeebohne getrennt. Die Pergamino-Schale wird übrigens auch als Brennmaterial verwendet. Anschließend werden die Kaffeebohnen nochmals gereinigt und letzte Fremdkörper entfernt. Ebenso maschinell werden die Bohnen jetzt nach Gewicht und Größe sortiert.

Manuelle Auslese

Foto: GEPA/ A. Welsing

Der letzte Schritt bis zum exportfertigen Rohkaffee ist die manuelle Auslese von fehlerhaften Bohnen - ein wichtiger Bestandteil für das professionelle Qualitätsmanagement. Anschließend wird der Rohkaffee in Säcke abgefüllt. Der übliche nächste Schritt wäre dann die Verschiffung des Rohkaffees nach Europa. Doch beim GEPA-Röstkaffee-Ursprung APROLMA wird der Rohkaffee nicht exportiert, sondern im Ursprung von den Frauen selbst geröstet.

Vom Rohkaffee zum Röstkaffee

Foto: GEPA/ A. Welsing

Bislang hat die GEPA von APROLMA ausschließlich Rohkaffee bezogen. Dank des Röstkaffee-Projektes wird jetzt der gesamte Prozess der Kaffeeveredelung von der Frauenkooperative APROLMA selbst durchgeführt. Damit bleibt mehr Wertschöpfung im Ursprungsland und sorgt dort für zusätzliche Arbeitsplätze, mehr Bildung, mehr Chancen und mehr Einkommen.

Transport des Rohkaffees zur Rösterei

Foto: GEPA/ A. Welsing

In Marcala wird der Rohkaffee in Säcken vom Lager zur Rösterei transportiert. Die Frauen von APROLMA haben dafür einen kleinen Geländewagen angemietet und erledigen den Transport selbst.

Kaffeeveredelung – gewusst wie

Foto: GEPA/ A. Welsing

Der größte Gewinn für die Frauen bei diesem Projekt ist das Erlernen neuer Kenntnisse und Fähigkeiten. Keine der Frauen hat vorher Kaffee im großen Stil für den Export geröstet. Mit der Einführung dieses GEPA-Ursprungskaffees wurden bereits zwei Frauen zu Röstmeisterinnen ausgebildet. Außerdem bekommen die Frauen Schulungen zur Kaffeeverkostung und erfahren alles über Hygienevorschriften, damit die hohen Qualitätsanforderungen der Fair Trade-GEPA-Kaffees erfüllt werden. Auf diese Weise lernen die Frauen den gesamten Prozess der Kaffeeveredelung. Celia Goldina Redondo, Kaffeeproduzentin bei Aprolma, sagt: „Was das Lernen anbelangt, haben wir mit der Kaffeeröstung etwas erlernt, das vorher so nie gemacht worden war. Im Bereich Röstung lernen wir z.B., wie man Maschinen bedient. Wir lernen Verarbeitungsmethoden, die wir vorher nicht kannten. Das ist etwas wirklich Spannendes und ich bin mit großem Interesse dabei, denn es ist ja etwas richtig Gutes.“

Das Rösten

Foto: GEPA/ A. Welsing

Der Rohkaffee wird in einer kleinen Rösterei in Marcala geröstet, die APROLMA von einem Verein bei Bedarf mietet. Auch dieser Kaffee ist – wie alle GEPA-Kaffees - langzeitgeröstet. Es handelt sich um ein schonendes Langzeit-Röstverfahren, bei dem der Kaffee 15 bis 20 Minuten lang geröstet wird. Bei dieser klassischen Methode wird die Trommel von außen erhitzt und die Bohnen werden unter ständiger Bewegung schonend geröstet. Die frisch ausgebildeten Röstmeisterinnen von APROLMA begleiten den Röstvorgang und nehmen Qualitätskontrollen vor.

Der Röstkaffee kühlt ab

Foto: GEPA/ A. Welsing

Nach dem Rösten müssen die Bohnen abkühlen. Dies geschieht durch Zuführung von Luft unter ständiger Bewegung der Bohnen. Hierdurch wird das Aroma besonders geschont und die Bohnen können langsam abkühlen.

Qualitätskontrolle und Verkostung

Foto: GEPA/ A. Welsing

Der Bio-Fair Trade-Kaffee wird nun im Kaffeelabor der Rösterei verkostet. Auch hier erhalten die Frauen professionelle Unterstützung. Zum einen von einem Kaffeeverkoster und Röstmeister zum anderen von einem GEPA-Berater, der selbst Kaffee anbaut, verarbeitet und veredelt und Mitglied der Genossenschaft RAOS ist. Die Frauen lernen Schritt für Schritt den gesamten Veredelungsprozess und werden selbst zu Kaffee-Expertinnen. Dieses Wissen können sie dann später weiteren Frauen ihrer Kooperative vermitteln.

Alles Handarbeit – Befüllen und Abwiegen

Foto: GEPA/ A. Welsing

Auch das Verpacken des Kaffees nehmen die Frauen selbst in die Hand. Jede einzelne Kaffeetüte wird von den Frauen zunächst befüllt und abgewogen. Das Know-how für die Arbeitsabläufe zum Rösten und Verpacken ist ganz neu für die Frauen von APROLMA. Die Bäuerinnen sind auf dem Weg zum gemeinsamen Kleinunternehmen. Sie qualifizieren sich durch Schulung und gegenseitigen Erfahrungsaustausch. Und mehr Geld für die Schulbildung der Kinder ist auch da.

Zuschweißen und Etikettieren

Foto: GEPA/ A. Welsing

Anschließend werden die APROLMA-Kaffeetüten zugeschweißt und mit dem Etikett versehen. Zum Schluss wird noch das Produktionsdatum aufgestempelt und die Tüten werden in Kartons verpackt. So haben zwölf Frauen zusätzliche Verdienstmöglichkeiten bekommen und sich weiter qualifiziert.

APROLMA-Mitglied Gladix Hernández

Foto: GEPA/ A. Welsing

Die Frauen von APROLMA sind stolz, dass sie ihren Kaffee selbst rösten und verpacken. Mit diesem Projekt schaffen sie gemeinsam mit der GEPA ganz neue Perspektiven und letztlich bedeutet es für die Frauen mehr Jobs, mehr Selbstbewusstsein und mehr Geld. Mit Anbau und Weiterverarbeitung ihres hochwertigen Kaffees erkämpfen sich die Frauen mehr Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Das ist besonders bemerkenswert, denn die Geschichte der Frauen in der Kooperative ist häufig von Problemen wie häuslicher Gewalt geprägt. „Von der Kaffeekirsche bis zur Tasse: Hochqualitativer Kaffee, von Frauen produziert“, sagt Gladyx Hernández, Kaffeebäuerin und Mitglied bei APROLMA.

Mit dem Containerschiff nach Europa

Foto: GEPA

Der exportfertige Bio-Fairtrade-Kaffee wird von Marcala zum etwa 200 km entfernten Exporthafen nach Puerto Cortéz transportiert. Das dauert ca. einen Tag. Von Puerto Cortéz geht es dann weiter mit dem Containerschiff nach Bremerhaven. Nach ca. vier Wochen kommt der APROLMA-Kaffee an, wird entladen und mit dem Lkw nach Bremen transportiert. In Bremen lagert die GEPA auch noch weitere Waren ein. Schließlich wird der Bio-Fairtrade-Kaffee von APROLMA von Bremen nach Wuppertal zur GEPA-Zentrale transportiert.

GEPA - THE FAIR TRADE COMPANY
Hintergrundgrafik, die den Viewport komplett ausfüllt