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Fairtrade-Standards

„Die im Norden erarbeiteten Fairtrade-Standards entsprechen nicht unserer Realität“

Manche Produzentengruppen kritisieren, dass es Fairtrade-Standards gibt, die sich nicht einfach auf die Realität ihres Landes übertragen lassen. Für diese Genossenschaften und auch für viele Plantagen ist es deshalb schwierig, diese Standards umzusetzen.

Wer legt die Fairtrade-Standards fest?

Der Dachverband FLO e.V. entwickelt die Fairtrade-Standards. In diesem Dachverband sind alle Siegelinitiativen Mitglied und die drei großen Produzentennetzwerke. FLO e. V. hat die Entwicklung aller neuen Standards in einer eigenen Abteilung und dem zugehörigen Arbeitsgremium in Auftrag gegeben. Über die Ergebnisse wird gemeinsam abgestimmt.

Welche Standards gibt es?

Derzeit gibt es bei FLO e.V. produktbezogene Standards und organisationsbezogene Standards.

Produktbezogene Standards definieren, welche Produkte mit dem Siegel verkauft werden können. Es gibt z. B. gesiegelten Kaffee, aber keine gesiegelten Spielzeuge. Diese produktbezogenen Standards definieren u.a. den Fairtrade-Mindestpreis und die Fairtrade-Prämie.

Organisationsbezogene Standards definieren, welche Art von Organisationen gesiegelte Produkte verkaufen können. So darf beispielsweise gesiegelter Kaffee nur von Kleinbauerngenossenschaften produziert werden, aber nicht von Plantagen. Bei Tee ist das anders: Beide Organisationsarten - sowohl Kleinbauerngenossenschaften als auch Plantagen - dürfen gesiegelten Tee produzieren und verkaufen.

Daneben gibt es auch einen Standard, der beschreibt, wie Händler mit gesiegelten Produkten umgehen müssen. In diesem Standard werden u.a. Bezahlungsmodalitäten, Vorfinanzierung und Produktrückverfolgbarkeit festgelegt.

Warum werden manche Standards kritisiert?

Die Standards sind ohne Frage anspruchsvoll und verlangen viel von den Handelspartnern. Die willkürliche Aufteilung der Welt in drei Produzentenarten ist sehr umstritten: Kleinbauern, Plantagen und vertragsgebundene Gruppen. Viele „Mischorganisationen“, die auch gerne fair handeln würden, sind derzeit vom FLO-System ausgeschlossen.

Es ist außerdem umstritten, dass gewisse Produkte wie Kaffee, Kakao und Zucker laut den FLO-Standards nur dann zertifiziert werden dürfen, wenn sie von Kleinbauerngenossenschaften kommen. Plantagenkaffee und -kakao sind zurzeit somit nicht zertifizierbar.

Strittig ist auch die Aufteilung der Welt in spezielle Länder, in denen Partner zertifziert werden können nämlich generell im Süden und Ländern, in denen Partner nicht zertifziert werden können wie z.B. in Deutschland, in der Türkei oder Albanien.

Gibt es Lösungen für diese Kritik?

Innerhalb eines weltweiten Zertifizierungssystems ist es sehr schwierig, realistische und passende Kriterien für so viele unterschiedliche Länder und Handelpartner aufzustellen. FLO e.V. bemüht sich, bei der Aufstellung der Kriterien möglichst viele Aspekte zu berücksichtigen. Trotzdem klaffen Anspruch und Wirklichkeit immer wieder auseinander.

Ein 100% Fair-Händler wie die GEPA hat vielfältigere Möglichkeiten, auf die ganz spezifischen Gegebenheiten einer Genossenschaft in einem bestimmten Land zu reagieren.

Foto: Eduardo Abracos

GEPA - THE FAIR TRADE COMPANY
Hintergrundgrafik, die den Viewport komplett ausfüllt