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Dr. Frans van der Hoff: Ein Gründervater des Fairen Handels

“Ich habe einige Doktortitel, aber über die Realität und das Ausmaß der Ausbeutung auf dem Land wusste ich sehr wenig. Zusammen fingen wir an, eine Organisation aufzubauen (UCIRI), wir suchten interessierte Kunden, die unseren Kaffee direkt kaufen wollten.”

Frans van der Hoff kam als holländischer Missionar nach Lateinamerika und ist Mitbegründer des weltweit ersten Fair Trade Labels „Max Havelaar“. Er war ab 1970 als Arbeiter-Priester in den Slums von Brasilien und Mexiko City tätig. Im Jahre 1980 ließ er sich in einer kleinen Gemeinde indigener Kaffeebauern im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca nieder. Er wurde selbst Kaffeebauer und erlebte die schwierige Lage der Kleinproduzenten. Gemeinsam mit den Bauern gründete er die Kooperative UCIRI, die zum Ziel hatte, die ausbeuterischen Zwischenhändler zu umgehen, und den Kaffee selbst zu vermarkten.

“Überleben ist unser Motto und auch unsere Realität. Die Bedrohungen der Finanzkrise machen uns keine Angst: das ist ein Problem, das für und von den Reichen gemacht wurde...”

Neue Wege der Entwicklung suchen ...

Dr. van der Hoff vertritt die Meinung, dass der wichtigste Erfolg des Fairen Handels in der „Hilfe zur Selbsthilfe“ liegt. Dank der Möglichkeit des direkten Marktzugangs ist es vielen Bauernorganisationen gelungen, die Verbesserung ihrer Lebenssituation selbst in die Hand zu nehmen.

“Bald wurde uns klar, nur wir können die Situation vom Elend befreien, wir müssen neue Wege, neue Märkte suchen, wo der Mensch - und nicht das Geld oder der Profit - im Mittelpunkt steht, wo die Produktionsweise die Natur respektiert. Für eine lange Zeit war ich Berater der Organisation, jetzt bin ich selbst Mitglied und Kaffeeproduzent, aber auch andere Produkte kultiviere ich.”

Wir wollen einen fairen Preis, keine Almosen!

Scharfe Kritik übt Dr. Van der Hoff an den undemokratischen Verhältnissen vieler Fair-Handels-Organisationen, welche die Bauern in ihrer Entscheidungsfindung nicht einbeziehen. Der Aufbau eines alternativen Marktes ist seiner Meinung nach noch nicht gelungen.

“Der Faire Handel ist in eine Falle geraten: Er ist ein Markt innerhalb eines Marktes ohne große Unterschiede zu dem konventionellen Markt. Der Faire Handel bezahlt lediglich ein wenig besser. Aber durch Abwertung und Inflation haben wir sehr viel an realer Kaufkraft verloren.”

Besonders vehement spricht sich Dr. van der Hoff gegen die Betrachtung der Produzenten als passive “Wohltätigkeitsobjekte” aus. Er macht immer wieder deutlich, dass die Produzenten keine Almosen empfangen wollen, sondern darum kämpfen, einen fairen Preis für ihre Produkte zu erhalten. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Preise die realen Kosten decken und die garantierten Fairtrade-Mindestpreise der Inflationsrate angepasst werden.

“Da der Faire Handel keine Alternative zum konventionellen Handel darstellt und keine Lobby zur wirtschaftlichen Strukturveränderung macht, verkommt er zur Wohltätigkeit für die Armen. Wir sind keine Bettler: Wir werden von der sozialen und wirtschaftlichen Entscheidungsfindung in unserer Gesellschaft ausgeschlossen. Wir haben immer laut gesagt, der Faire Handel muss demokratisch sein. Es fehlt viel, um dies zu erreichen.”

GEPA - THE FAIR TRADE COMPANY
Hintergrundgrafik, die den Viewport komplett ausfüllt