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Was drauf steht ist drin

… oder anders gesagt: Wo fair drauf steht, ist auch fair drin. Aber woher kommen die Zutaten für ein Produkt? Wer steht am Anfang der langen Lieferkette? Und vor allem: Wo und wie erfährt das der Verbraucher? Am Beispiel des Merida-Orangensaftes zeigen wir Ihnen, woher die Orangen kommen. Im Fokus stehen die Orangenbauern der GEPA-Partnerorganisation COOPEALNOR in Brasilien.

Foto: GEPA - The Fair Trade Company/ A. Welsing

Brasilien ist die Nummer Eins

Foto: GEPA/ A. Welsing

Weltweit ist Brasilien der Spitzenreiter bei der Produktion und beim Export von Orangensaftkonzentrat:
Der brasilianische Anteil am weltweiten Handel mit Orangensaftkonzentrat liegt bei knapp 80%. Orangen sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für das Land. Der Markt für die Verarbeitung der Orangen ist sehr umkämpft und wird von nur drei Konzernen kontrolliert. Diese Marktmacht der großen Konzerne bekommen auch die Kleinbauernfamilien zu spüren: Der Einkaufspreis für Orangen deckt manchmal nicht einmal deren Produktionskosten. Umso wichtiger ist der Faire Handel für die Kleinbauern der Genossenschaft COOPEALNOR, von denen die GEPA ihr Orangensaftkonzentrat bezieht. Der Faire Handel der GEPA hat den Kleinbauernfamilien neue Perspektiven eröffnet und auch ganz konkret zu Verbesserungen geführt.

COOPEALNOR - der Partner der GEPA

Foto: GEPA/ A. Welsing

Die Orangen für den Saft der GEPA kommen alle von der Genossenschaft COOPEALNOR im Bundesstaat Bahia im Nordosten Brasiliens. Die Mitglieder von COOPEALNOR sind kleine bis mittelgroße Produzenten. Durchschnittlich besitzt jedes Mitglied etwa 14 Hektar Land. Neben Orangen bauen die Kleinbauern auch noch Mandarinen, Maracuja, Kokosnüsse, Wassermelonen, Ananas und diverses Gemüse an. Von den derzeit 100 Mitgliedern (Stand September 2015) der Genossenschaft haben bereits 20 auf Bio-Produktion umgestellt. Die meisten Mitglieder von COOPEALNOR verzichten auch im konventionellen Anbau weitgehend auf Kunstdünger oder Herbizide. Die “Unkräuter” sind vielmehr Gründünger, werden maschinell geschnitten oder von Hand gejätet.

Rund und lecker - aber nicht immer orange

Foto: GEPA/ A. Welsing

Es gibt zwei Ernten im Jahr: Januar/ Februar und September/ Oktober. Für die Qualität des Saftes ist der richtige Zeitpunkt der Ernte ganz wichtig: Gepflückt wird erst, wenn das Verhältnis von Zucker und Säure stimmt und die Orangen so weniger Bitterstoffe enthalten. Die wenigsten Saftorangen haben übrigens die typische Orangenfarbe, wie wir sie kennen. Viele sind grün, andere sind orange – reif sind sie alle. Die grünen haben einfach weniger Sonne bekommen. Überreife oder gar verdorbene Früchte dürfen am Ende nicht im Saft landen, sondern müssen vorher aussortiert werden. Da die Früchte unterschiedlich reifen, kann die Ernte nicht mechanisiert werden. Die Orangen werden alle von Hand gepflückt. Diese anstrengende Arbeit wird von Pflückern verrichtet. Historisch hatte sich der Faire Handel vor allem auf die Kleinbauern selbst konzentriert. Die Herausforderung ist, wie auch Pflücker davon profitieren können. Die GEPA ist deshalb im Gespräch mit COOPEALNOR.

Vom Baum auf den Lkw

Foto: GEPA/ A. Welsing

Nach dem Pflücken werden die Orangen in Säcken auf Lkws beladen. Größere Orangenbauern haben dafür einen eigenen Ladekran, bei den anderen wird diese Arbeit von Hand verrichtet. Die Lkws der Genossenschaft COOPEALNOR fahren zu den Orangenbauern und holen die Orangen dort ab. Für die Orangenbauern ist das eine wichtige Leistung seitens der Genossenschaft, da kein Orangenbauer über die Transportmöglichkeit verfügt, die Orangen selbst zur Zentrale der Genossenschaft zu bringen. So gelangen die LKWs mit den Orangen der Bauern zur Zentrale von COOPEALNOR. Nicht alle Orangen sind für den Export bestimmt. Etwa die Hälfte der Orangen werden als frische Früchte in Brasilien verkauft. Die Aufbereitung findet in der Zentrale von COOPEALNOR statt. Hier werden die Früchte sortiert, gewaschen und gewachst und anschließend auf lokalen Märkten verkauft.

Von der Orange zum Konzentrat

Foto: GEPA/ A. Welsing

Die andere Hälfte der Orangen wird zu Orangensaftkonzentrat weiterverarbeitet. Dies wird später bei der Saftherstellung in Deutschland eingesetzt. Konzentrat ist deutlich haltbarer als Saft, außerdem ist der Transport von Konzentrat viel einfacher und somit auch günstiger: Elf Tonnen Orangen ergeben eine Tonne Konzentrat. Dies entspricht 5.500 Liter Saft. Die Verarbeitung zu Konzentrat kann die Genossenschaft nicht selbst durchführen, da sie über keine Verarbeitungsanlage verfügt. Daher werden die Orangen von der Genossenschaftszentrale in Rio Real nach Estância im Bundesstaat Sergipe transportiert. Sergipe ist der Bundesstaat, der an Bahia angrenzt. Die Fahrt von Rio Real nach Estância dauert ca. 2 Stunden, das sind etwa 70 km. Auch dies wird mit den LKWs der Genossenschaft gemacht. Bei Bedarf werden noch weitere Lkws angemietet.

Getrennte Verarbeitung

Foto: GEPA/ A. Welsing

Der GEPA-Orangensaft ist etwas ganz Besonderes: Es sind nur die Orangen darin enthalten, die auch tatsächlich von den Bauern der Genossenschaft COOPEALNOR kommen. Durch die getrennte Verarbeitung ist sichergestellt, dass die Orangen von COOPEALNOR während des Herstellungsprozesses mit keinen anderen Orangen vermischt werden. Dieser Prozess kam in Gang, weil es der GEPA ein großes Anliegen war, den Orangensaft ohne Mengenausgleich anzubieten. Für die Mitarbeiter von COOPEALNOR war es eine echte logistische Herausforderung. Um die Orangen getrennt zu verarbeiten und rückzuverfolgen, hat COOPEALNOR große Anstrengungen unternommen. Mindestens 8 Lkws Orangen müssen an einem Tag bei Tropfruit eintreffen. Nur so kommt die Menge an Früchten zusammen, die für die exklusive Charge ohne Mengenausgleich in der Saftverarbeitungsfabrik nötig ist. Dafür mietet sich COOPEALNOR bei Bedarf auch noch zusätzliche Lkws. Die GEPA und ihr Partner sind froh und stolz, dass die getrennte Verarbeitung jetzt möglich ist und der GEPA-Orangensaft ohne Mengenausgleich produziert werden kann.

Waschen, sortieren, pressen

Foto: GEPA/ A. Welsing

Nach der ersten Qualitätskontrolle werden die Orangen entladen und die schlechten Früchte von Hand aussortiert. Diese werden zerkleinert und als Tierfutter weiterverkauft. Die „guten Orangen“ werden gründlich gewaschen und im Entsafter wird der Saft ausgepresst. Dann wird das Aroma des Orangensaftes aufgefangen, damit es während der Konzentrierung nicht verloren geht und das Orangenöl wird entzogen. Auch das Fruchtfleisch wird abgetrennt. Schließlich wird der Saft erhitzt und verliert so in mehreren Verdampfungsschritten immer mehr Wasser und wird zu kräftig-orangenem Konzentrat. Im Labor wird die Qualität des Konzentrats ständig geprüft. Wichtig ist zum Beispiel die Bestimmung des Zuckers und des Säuregehaltes. Wenn das Orangensaftkonzentrat fertig ist, wird es in Fässer abgefüllt und bei minus 18 Grad Celsius gelagert.

Aus Konzentrat wird wieder Saft

Foto: GEPA/ The Fair Trade Company

Einige Wochen nach der Ernte wird aus den konzentrierten Orangen von COOPEALNOR in Deutschland wieder richtiger Saft. Die Fässer mit dem Orangensaftkonzentrat von COOPEALNOR werden in Deutschland bei einem mittelständischen Saftabfüller zu Orangensaft abgefüllt. Für die Saftproduktion werden Aromastoffe und Orangenöl dem Saft wieder zugeführt. Das Trinkwasser, das dem Konzentrat jetzt wieder zugesetzt wird, kommt aus dem firmeneigenen Brunnen. Schließlich wird der Saft in 1-Liter-Kartons abgefüllt und mit dem Lkw ins Zentrallager der GEPA nach Wuppertal transportiert. Die Rückverfolgbarkeit ist der GEPA als 100% Fair-Händler ein ganz besonderes Anliegen. Denn die GEPA will nicht nur garantieren: Wo fair drauf steht, ist auch fair drin, sondern mehr: Die GEPA gibt ihren Produkten ein Gesicht: Auf den Verpackungen sind Fotos und Zitate von Produzenten abgebildet. Die Verbraucher sollen wissen, wer dahinter steht.

Wer kauft was von wem?

Foto: GEPA/ A. Welsing

Bei Anlieferung kauft Tropfruit die Orangen von der Genossenschaft COOPEALNOR – diese zahlt den Bauern den Preis für die Orangen abzüglich der Transportkosten. Tropfruit verarbeitet die Orangen zu Konzentrat. Hat die Genossenschaft einen Kunden für das Konzentrat gefunden - die GEPA ist beispielsweise ein Kunde - dann kauft die Genossenschaft das Konzentrat zum Weltmarktpreis von Tropfruit zurück und verkauft es zum deutlich höheren Fairtrade-Preis wieder (Stand: September 2015). COOPEALNOR exportiert das Konzentrat ausschließlich zu Fairtrade- Bedingungen. Im September 2015 waren das pro Tonne Konzentrat USD 2.300 plus USD 200 Prämie. Nachdem der Kunde bezahlt hat, erhält der Bauer eine Nachzahlung entsprechend der Menge Orangen, die er für die Produktion der jeweiligen Charge geliefert hat. Die Höhe der Nachzahlung ergibt sich aus der Differenz zwischen Weltmarktpreis und Fairtrade-Mindestpreis. Wenn COOPEALNOR keinen Kunden findet, wird das Konzentrat zum Weltmarktpreise von Tropfruit vermarktet. In diesem Fall gibt es keine Nachzahlung für die Orangenbauern. Deshalb sind Kunden wie die GEPA für COOPEALNOR so wichtig.
Hat COOPEALNOR das Orangensaftkonzentrat an die GEPA verkauft, wird das gefrorene Konzentrat mit dem Schiff auf die Reise nach Bremerhaven geschickt.

Mehr dazu in der Downloadliste rechts: Musterkalkulation Orangensaft. 

Faire Metropole Wuppertal

Foto: GEPA/ A. Fischer

Im LKW kommt dann der abgefüllte Merida-Orangensaft nach Wuppertal in das Zentrallager der GEPA. Von Wuppertal aus geht es weiter zu den verschiedenen Kunden: Zum Beispiel zu den Weltläden oder Supermärkten. Endkunden bestellen auch häufig über den Online-Shop.
Rückverfolgbarkeit und Transparenz sind der GEPA als 100% Fair-Händler ein ganz besonderes Anliegen. Denn die GEPA will nicht nur garantieren: Wo fair drauf steht, ist auch fair drin, sondern mehr: Die GEPA gibt ihren Produkten ein Gesicht: Auf den Verpackungen sind Fotos und Zitate von Produzenten abgebildet. Die Verbraucher sollen wissen, wer am Anfang der Lieferkette steht.

Gemeinsamkeit macht stark

Foto: GEPA/ A. Welsing

Für die Orangenbauern bringt die Mitgliedschaft in der Genossenschaft viele Vorteile mit sich. Ein großes Projekt war beispielsweise die Renovierung der Anlagen zur Aufbereitung von frischen Orangen. Die sind für den regionalen Markt bestimmt. Mit der Fairtrade-Prämie konnte dies finanziert werden. Außerdem wurde mit einem Teil der Fairtrade-Prämie eine weiterführende Internats-Schule unterstützt, wo der Schwerpunkt auf praktischer Landwirtschaft liegt. Die Genossenschaft konnte sich auch einen kleinen Lkw sowie Saatgut kaufen. Außerdem konnten Seminare und Schulungen zu verschiedenen Themen stattfinden. Bei allen „materiellen“ Unterstützungen durch die Fairtrade-Prämie ist es für die Orangenbauern aber auch sehr wichtig, überhaupt in einer Genossenschaft wie COOPEALNOR organisiert zu sein: Die Mitglieder können sich über Preise, Qualitätsfragen und ihre Erfahrungen austauschen. Auch dadurch können Verbesserungen in der Qualität und höhere Gewinne erzielt werden. Nicht zuletzt die wirtschaftliche Sicherheit durch den Fairtrade-Mindestpreis ist für die Orangenbauern ein großer Vorteil. Das gilt im Fairen Handel auch für viele andere Produzenten.

GEPA - THE FAIR TRADE COMPANY
Hintergrundgrafik, die den Viewport komplett ausfüllt