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Faires Palmöl

Palmöl boomt – und zwar weltweit. Mit über 50 Millionen Tonnen jährlich ist es das am meisten produzierte Pflanzenöl. Die Schattenseiten der Palmölgewinnung: Regenwald wird zerstört, Monokulturen entstehen und Menschen werden vertrieben. Gerade deshalb ist es ein großer Fortschritt, dass die GEPA jetzt einen Partner in Ghana gefunden hat: Von Serendipalm kommt das fair gehandelte Bio-Palmöl.

Allgegenwärtig und trotzdem unsichtbar

Ob im Dieseltank oder im Heizkraftwerk, ob in Lebensmitteln wie Tiefkühlpizza, Margarine, Speiseeis, Schokoriegeln, Fertigsuppen, Keksen, in Waschpulvern, Seifen, Reinigern und Kosmetikprodukten:
Das billige tropische Öl steckt fast überall drin - mittlerweile in beinahe jedem zweiten Alltagsprodukt. Trotzdem ist es nur in den wenigstens Fällen auf dem Produkt deklariert. Und das hat gute Gründe:
Wegen der Regenwaldrodung versuchen die meisten Firmen, das Palmöl in ihren Produkten zu verschleiern und schreiben von „pflanzlichen Ölen und Fetten.“ Nur wenige Hersteller kennzeichnen Palmöl und Palmfett auf der Verpackung.

Kahlschlag und Brandrodung

Billige Pflanzenöle sind begehrt in den reichen Ländern des Nordens. Weltweit wachsen auf etwa 12 Millionen Hektar Land Ölpalmen rund um den Äquator. Zum Gedeihen brauchen Ölpalmen Tropenwaldklima: Ständig hohe Feuchtigkeit und Temperaturen sowie volles Sonnenlicht. Für die Plantagen wird deshalb die ursprüngliche Vegetation vollständig abgeholzt oder niedergebrannt. Mit den Baumriesen sterben auch seltene Tiere wie die Orang-Utans, Tiger und Nashörner.

Indonesien ist Export-Weltmeister

Indonesien ist Weltmeister im Palmölexport. Auf über acht Millionen Hektar bedecken Monokulturen das Land. Indonesien und Malaysia machen zusammen rund 90 Prozent des Marktes aus. Die Produktion von Palmöl hat sich seit 1990 weltweit verdoppelt und beträgt heute mehr als 50 Millionen Tonnen. Palmölplantagen bedecken inzwischen gut 12 Millionen Hektar Land. Indonesien ist aufgrund seiner Waldzerstörung nach China und den USA drittgrößter Treibhausgas-Emittent der Welt. Auch in Afrika und Südamerika wächst die Ölpalme.

Was Monokulturen zum „Gedeihen“ brauchen

Auf den vernichteten Regenwaldflächen werden meist von internationalen Agrarkonzernen großflächige Monokulturen angelegt: Ölpalmen in endlosen Reihen statt biologischer Vielfalt und Artenreichtum. Diese Monokulturen werden stark gedüngt. Die häufigen Schädlingsplagen werden mit großen Mengen Pestiziden und Herbiziden bekämpft. Diese gelangen über das Grundwasser auch in angrenzende Ökosysteme.

Billige Konsumgüter aus billigem Öl

Für billige Konsumgüter hierzulande bietet sich das billigste unter den Pflanzenölen an: Palmöl ist vor Soja-, Raps- und Sonnenblumenöl das mengenmäßig am meisten produzierte Pflanzenöl der Welt. Die Ölpalme ist sehr ertragreich und es kann ganzjährig geerntet werden. Aufgrund seiner chemischen Eigenschaften ist es vielseitig einsetzbar. Es hat einen hohen Schmelzpunkt und ist deshalb auch bei Raumtemperatur geschmeidig und streichfähig: Margarine wird fest und Schokolade wird zartschmelzend.

Subventionen fördern den Palmöl-Boom

Subventionen wie die aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sorgen dafür, dass in unseren Blockheizkraftwerken und Autos das billige Öl zum Einsatz kommt. Was bei uns als „Bio-Diesel“ bezeichnet wird, wirkt sich fatal auf die Umwelt, die Tiere und die Menschen aus, die in den „Palmöl-Ländern“ leben. Die Bezeichnung „Bio“ weist in diesem Zusammenhang lediglich auf den pflanzlichen Ursprung hin im Gegensatz zum Mineralöl. Es heißt keineswegs, dass das Öl aus ökologischer Landwirtschaft stammt oder etwa klimafreundlich ist. Das neue Renewable Energy Directive (RED) der EU sieht vor, dass bis zum Jahr 2020 mindestens zehn Prozent der Straßenverkehrskraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen produziert werden.

Heizt der Palmöl-Boom das Klima an?

Ja. Für die Ölpalmplantagen werden ständig riesige Flächen Regenwald gerodet und Torfwälder trockengelegt. Als Folge entweichen gigantische Mengen Kohlenstoff. Die tropischen Waldgebiete besitzen nicht nur eine einzigartige Artenvielfalt, sondern binden auch viel Kohlendioxid. Beim Roden der Wälder wird es freigesetzt. Für den Palmölanbau werden zudem große Mengen an fossiler Energie für Bodenbearbeitung, Düngemittel, Pestizide, Ernte, Transport und Verarbeitung aufgewendet. Aus den Produktionsrückständen entweicht das Treibhausgas Methan.

Gewalt und Landraub

Nicht nur der Regenwald muss den Ölpalmen weichen – auch viele Menschen wurden schon mit Gewalt vertrieben. Dabei wird auf die Landrechte der betroffenen Menschen keine Rücksicht genommen. Wer sich gegen die Missachtung der Landrechte, Umweltzerstörung oder Menschenrechtsverletzung wehrt, wird bedroht, geschlagen und verhaftet. Im August 2011 zerstörten Sicherheitskräfte des weltweit größten Palmölproduzenten Wilmar zusammen mit der gefürchteten indonesischen Polizeibrigade Brimob das auf der indonesischen Insel Sumatra gelegene Dorf Sungai Beruang. Dabei wurde mit scharfer Munition auf die Dorfbewohner geschossen. Grund für den Überfall war der Widerstand der Menschen gegen den Landraub und den Verlust ihrer Lebensgrundlage.

RSPO

Diese Abkürzung steht für „Roundtable on Sustainable Palm Oil“ oder: „Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl.“ Diese Zertifizierungsinitiative wurde 2004 auf Initiative des WWF (World Wildlife Fund)gegründet. Ziel war es, Palmöl aus nachhaltigem Anbau zu gewinnen. Neben einigen Nichtregierungsorganisationen sind auch Unternehmen wie Unilever und Wilmar Mitglieder dieses Runden Tisches. Es gibt viele Kritiker des RSPO. Sie halten die Kriterien für viel zu lasch und werfen dem RSPO vor, dass er dem schmutzigen Palmöl lediglich einen grünen Anstrich verleiht.Informationen zum RSPO hat Ökotest in seiner Ausgabe Oktober 2011 zusammengestellt.Das Fazit von Öko-Test lautet: „Das Label des RSPO ist ein Anfang, mehr aber noch nicht.“

Was tun?

Für die Produktion von Keksen oder Füllungen in Schokoriegeln (zum Beispiel Fairetta Kids mit Milchkrem-Füllung) ist der Einsatz von Palmfett unumgänglich, um eine optimale Produktqualität zu erzielen. Deshalb ist es auch für ein Fair-Handels-Unternehmen wie die GEPA eine unverzichtbare Zutat bei einigen Produkten. Die GEPA hat viel Zeit und Energie darauf verwendet, fair gehandeltes Palmöl in Bio-Qualität über einen Handelspartner zu beziehen. Dieses Vorhaben ist ihr jetzt mit dem Handelspartner Serendipalm aus Ghana gelungen. Die Farmer, die an Serendipalm liefern, besitzen im Schnitt 2 Hektar Land. Selbstverständlich handelt es sich um Land, das bereits bewirtschaftet wurde. Es hat weder Abholzung noch Brandrodung stattgefunden. Von Vertreibung ganz zu schweigen. Serendipalm erfüllt die Kriterien des Fairen Handels und die EU-Standards für ökologischen Landbau.

Foto: Rettet den Regenwald e.V./ Nordin/ SOB

 

 

 

GEPA - THE FAIR TRADE COMPANY
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